Badische Zeitung vom Freitag, 1. August 2003

Erster grenzüberschreitender "Öko-Gipfel" in Breisach
"Menschen vom Nutzen erneuerbarer Energien überzeugen" / Solare Stromgewinnung steckt noch in den Anfängen / "Oberrhein zu einer Modellregion machen"


Von unserer Mitarbeiterin Jill Köppe

BREISACH. Beim ersten Öko-Gipfel des länderübergreifenden Netzwerks "Energie 3Regio" haben sich am Freitag Bürgerinitiativen und Vereine aus Baden, dem Elsass und der Nordschweiz in Breisach getroffen, um gemeinsam über die Zukunft erneuerbarer Energien zu diskutieren.

Das im Januar von zehn Initiativen ins Leben gerufene Netzwerk will den Klimaschutz, die Energieeinsparung und die Nutzung regenerativer Energien in der Oberrheinregion voranbringen. Es wird von der Region Alsace im Rahmen des europäischen Förderprogramms "Bürger sein am Oberrhein" finanziell gefördert.

Organisator Georg Löser von der ECO-Stiftung für Energie-Klima-Umwelt in Gundelfingen bezeichnete den Gipfel als großen Erfolg. Über 60 Teilnehmer aus mehr als 30 Initiativen und Vereinen hätten die Veranstaltung genutzt, um ihre Projekte zu präsentieren, Ideen auszutauschen und grenzübergreifende Kontakte zu knüpfen.

Die Gründung des Netzwerks hatten im Januar zehn Initiativen beschlossen. Das Netzwerk deckt bisher die Region vom schweizerischen Baselland bis zur südlichen Ortenau und im Elsass vom nördlichen Sundgau bis zur Region um Straßburg ab. Die Regionen Oberrhein, Elsass und Baselland nehmen für ihr jeweiliges Land eine vorbildliche Stellung bezüglich der Nutzung erneuerbarer Energien ein.

Paul Schüpbach, zuständiges Vorstandsmitglied bei der Regio TriRhena für den Bereich Lokale Agenda 21, ist deshalb sicher, "dass das Projekt mit großer Motivation dazu beiträgt, den Oberrhein zu einer Modellregion für erneuerbare Energien zu machen".

Es sei an der Zeit, "nicht nur wohlklingende politische Konzepte, sondern auch Lösungen zu finden und die Bürger vom Nutzen erneuerbarer Energien zu überzeugen."

Die Schweiz sei, so der Geschäftsführer des Ökonzentrums Langenbruck, René Duveen, in der Pionierphase der 80er Jahre bei der Einführung regenerativer Energien führend gewesen, habe aber in letzter Zeit nachgelassen. Der Anteil an Wasserkraft an der Energiegewinnung sei mit rund 60 Prozent traditionell sehr groß, heute setze das Land vor allem auf thermische Solarenergie zur Warmwasserbereitung und auf Biomasseheizungen.


Landschaftsschützer bremsen die Windkraft

Auch im Elsass haben regenerative Energien wesentlich mehr Erfolg als in anderen Regionen Frankreichs, so Laurent Atienza, Projektleiter bei Alter Alsace Energies aus Lutterbach. Zum einen, weil die Region und auch die politisch Verantwortlichen immer auf deutsche Vorbilder schauten, zum anderen, weil die Region Alsace Fördermittel zur Verfügung stelle. Besonders die solare Warmwasserbereitung und die neuartigen Holzheizungen, die mit Pellets oder Hackschnitzeln beschickt werden, entwickelten sich gut. "Das Elsass ist diesbezüglich die Region Nummer 1 in Frankreich", so Atienza. Mit solarer Stromgewinnung hingegen tun sich die Schweiz wie auch das Elsass schwer. Auch die Windkraft stößt auf den Widerstand der Landschaftsschützer. Hier versuche Alter Alsace Energies mit Informationsarbeit den Vorurteilen zu begegnen.

Josef Pesch, Geschäftführer der fesa GmbH in Freiburg bedauert das Misstrauen, weil "das Windpotenzial in Frankreich ungleich besser ist als in Deutschland." In Frankreich stünden 270 000 Hochspannungsmasten. 85 000 Windkrafträder mit einer Leistung von 1,8 Megawatt oder nur 35 000 Räder der neuen Generation mit 4,5 Megawatt würden reichen, um die gesamte Stromversorgung aus nuklearer und fossiler Energie in Frankreich zu ersetzen. Er freute sich, dass in Deutschland 2003 erstmals mehr Strom aus Wind als aus Wasser gewonnen wurde. Doch es sei insgesamt noch immer viel zu wenig. Selbst Freiburg würde entgegen seines Images nur ein Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien decken.

Forderungen bei einem Runden Tisch am Abend bezogen sich vor allem auf eine stärkere länderübergreifende Erziehungsarbeit an Kindergärten und Schulen, Informationsarbeit zum Thema Stromsparen, bessere grenzüberschreitende Verkehrsstrukturen mit Blick auf erneuerbare Energien, Modelle von Energie-Öko-Tourismus im Rahmen von Städtepartnerschaften sowie einen trinationalen Sonnenweg nach dem Vorbild des Energie- und Naturlehrpfads Dreisamtal in Kirchzarten.

Weitere Informationen erhalten interessierte Initiativen und Bürger bei: Energie 3Regio, c/o Eco Stiftung, Georg Löser, Weiherweg 4 B, 79194 Gundelfingen, Fax: 07 61 59 50-2 62, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , oder www.SolarRegio.de