Möglichkeiten der Energiegewinnung, an verschiedenen Beispielen dargestellt.

 

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Ein Beitrag aus der "Deutschen Handwerks Zeitung"
 
Sonnige Zeiten
 

Das preisgekrönte Plus-Energie-Haus produziert mehr Energie, als es verbraucht

 
Von Hanni Kinadeter

Nachhaltiges Bauen wird immer wichtiger – auf dem Bau werden schließlich die meisten Ressourcen verbraucht. „Ziel muss es sein, den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie im Griff zu behalten“, sagt Manfred Hegger, Professor an der Technischen Universität  Darmstadt. Für ihn bedeutet nachhaltiges Bauen: „Den Flächenbedarf zu reduzieren, den Ressourcenverbrauch und den Energiebedarf zu minimieren.“ Unter seiner Leitung haben 25 Studenten ein Plus-Energie-Haus entwickelt. Das Haus produziert  mehr Energie, als es verbraucht.

GEWINNER DES „DECATHLONS“

Mit dem Haus ergatterten die  Studenten bei dem internationalen Wettbewerb „Solar Decathlon“ den ersten Preis zweimal: 2007 und 2009. Heute steht ein Nachbau des Siegerhauses in Düsseldorf, um zu zeigen, was nach dem heutigen Stand der Technik alles möglich wäre.

Von Weitem betrachtet sieht das Plus-Energie-Haus klein aus, fast ein bisschen windig, zwischen den massiven Steingebäuden und hohen Kastanien im Düsseldorfer Ehrenhof. Die Sonne prallt an diesem Tag direkt auf die blau schimmernden Solarlamellen an der Fassade. Allein an der Fassade produzieren 1.364 Solarzellen Strom. Auf dem Dach befinden sich weitere 47 Module. Über der Veranda fängt noch eine Anlage die Sonnenenergie ein.

Plötzlich ruckelt es an der Fassade. Rebecca Menck öffnet die Eichenholztüren, sie ist Fachbetreuerin im Plus-Energie-Haus. Bis zum 4. Oktober steht es noch in Düsseldorf. Danach wandert das Haus nach Hannover. Hinter den zusammengeklappten Türen taucht eine Loggia auf, Glasscheiben sind zu sehen. „Die Türen im Süden sind dreifach verglast“, sagt Menck. Auf der Nordseite sind sogar vier Scheiben aneinandergereiht. Damit sollen sie besser dämmen.

NEUN SCHICHTEN

In dem Rahmen ist ein Vakuum-Isolations-Paneel integriert – ein Wärmedämmprodukt, das bis zu zehnmal dünner ist als herkömmliche Materialien bei gleichem U-Wert. Der U-Wert gibt an, wie viel Wärme nach draußen verloren geht. Je geringer der Wert, desto besser die Dämmung. Am besten dämmen die 26 Zentimeter dünnen Wände aus neun Schichten im Osten und Westen sowie das Dach. Hier liegt der U-Wert bei 0,1. Das ist nur halb so groß, wie die Energieeinsparverordnung 2009 vorschreibt.  „Ein Wert von 0,1 ist zwar fortschrittlich, man kann ihn aber auch in einem Passivhaus finden“, berichtet Roland Falk, Berater des Fachverbands der Stuckateure. „Das Besondere an diesem Haus sind die Techniken, die die wenige Energie liefern, die noch benötigt wird“, sagt der Experte. Er lobt die dezentrale Versorgung des Plus-Energie-Hauses und geht davon aus, dass auch unsere Wohnhäuser künftig dezentral versorgt werden.

DIE ZWEITE MIETE SPAREN

„Das ist schon eine super Sache“, findet ein junger Mann, der das Plus-Energie-Haus an diesem Tag besichtigt. Definitiv könne er sich vorstellen, in so einem Haus zu wohnen. Nur der Preis, der überzeugt ihn nicht so ganz. „Konkret über einen Kauf würde ich erst nachdenken, wenn der Quadratmeter 1.700 Euro kostet“, sagt er. Experten berechnen laut der Fachbetreuerin, dass ein Quadratmeter Plus-Energie-Haus in Serie zwischen 2.000 und 2.500 Euro kosten könnte. Im Jahr 2015. Inklusive der Anlagen. „Auf lange Sicht spart man“, sagt Menck. „Die Nebenkosten sind ja  schon wie eine zweite Miete.“

Rund 1,2 Millionen Euro hat es  gekostet, das Plus-Energie-Haus als Anschauungsobjekt zu bauen. Die Diskussion um Kosten, um Wirtschaftlichkeit und darüber, ob unsere Häuser in Zukunft tatsächlich funktionieren werden wie das Plus-Energie-Haus, wiederholen sich an diesem Tag. Die Besucher kommen nicht nur, um sich die Neuheiten anzusehen. Sie diskutieren, holen sich Tipps oder lauschen einem der Vorträge. Im September zeigten die aktuellen Messungen: Mehr als 11.700 Kilogramm  CO2 hat das Haus vermieden, seit es unterwegs ist. Mehr als 7.800 Euro Vergütung hat es in diesem Zeitraum durch die Stromproduktion erwirtschaftet. 2009 produzierte es in neun Monaten 10.000 Kilowattstunden Strom. Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt verbraucht jährlich etwa 4.000 Kilowattstunden. Das Plus-Energie-Haus ist ein Holzleichtbau, knapp 90 Quadratmeter groß. Es besteht aus einem einzigen Raum, von dem nur die Toilette abgetrennt ist. Darin befinden sich eine weiße Küche mit energiesparenden Haushaltsgeräten, ein Holztisch und ein Sitzbereich für Vorträge. Tageslicht durchströmt das große Zimmer, es wirkt hell und freundlich. Das Konzept des Plus-Energie-Hauses besteht  aus zwei Grundsätzen: Der Energiebedarf muss minimiert werden, die Versorgung optimiert.

EIN KONZEPT, ZWEI GRUNDSÄTZE

Dieses Konzept spiegelt sich auch in der Lüftungstechnik wider. Öffnet man die schmale Tür an der Nordseite, wird der Raum auf natürliche Weise quergelüftet. Wenn die Fassade geschlossen ist, kommen die mechanische Lüftungsanlage und die Wämepumpe ins Spiel, die je nach Bedarf heizen oder kühlen. Die Wärmepumpe entzieht der Umwelt Wärme und verdichtet sie. Damit wird die Wärme noch wärmer. Dann gibt die Pumpe die komprimierte Wärme an das Heizsystem ab. Wenn im Winter gelüftet wird, zieht die frische Luft an der Abluft vorbei und nimmt deren Wärme auf. Der Latentwärmespeicher im Plus-Energie-Haus kann die Raumwärme speichern und zeitversetzt abgeben oder aufnehmen. Ein energieeffizienter Beleuchtungsmix aus LED-Leuchten, Kompakt-Leuchtstofflampen und Halogenspots rundet das Konzept ab.

Inzwischen dämmert es draußen. Auf dem Display, das anzeigt, wie viel Strom die Photovoltaikanlagen produzieren, sind die Zahlen stehen geblieben. Rebecca Menck schließt die Fassade wieder. Für heute ist genug Strom produziert.

 

erstellt  23.09.2010

 

Solardecathlon, ein Fimbeitrag

http://www.solardecathlon.gov/past/2009/videos_popup.cfm?team=germany

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